Immer wieder die Frage: Wie lastet man seinen Hund richtig aus?

Immer wieder bekomme ich als Hundetrainer die Frage gestellt: Wie lastet man seinen Hund richtig aus? Was ist eigentlich Auslastung, wie viel ist sinnvoll und wann überfordert man seinen Hund? Diese und weitere Fragen möchten wir hier für euch klären.

Diese Fragen sind mehr als berechtigt. Denn ein weit verbreitetes Missverständnis lautet: Mehr ist mehr.


Mehr ist mehr? Das Missverständnis Auslastung

Viele Hundehalter hören, dass man den Hund „mehr auslasten“ müsse, wenn Probleme auftreten. Zwei Stunden Radfahren, stundenlang Ballspielen oder kilometerlange Spaziergänge sollen die Lösung bringen.

Doch was ändert das wirklich an Problemen wie Aggression, Übderdrehtheit, Angst oder Unsicherheit?
Oft – gar nichts.

Unsere Hunde werden so zu „Ausdauersportlern“, die permanent beschäftigt werden – während sie in Wahrheit etwas anderes brauchen: Ruhe und gezielte, sinnvolle Beschäftigung.

Tatsächlich benötigen Hunde, je nach Alter und Gesundheitszustand, zwischen 14 und 18 Stunden Ruhezeit pro Tag.
Gerade Welpen brauchen noch mehr – bis zu 22 Stunden Ruhe! Viele junge Hunde sind daher nicht unterfordert, sondern schlicht überfordert. Ruhephasen müssen häufig erst gelernt und aktiv ermöglicht werden: durch einen festen Rückzugsort, ein gemütliches Hundebett und klare Strukturen.

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Was ist Auslastung eigentlich?

Unter Auslastung verstehen wir die Zeit, in der der Hund adäquat beschäftigt ist – geistig, körperlich und sozial.
Wichtig ist dabei: Qualität vor Quantität.

Geistige Auslastung

  • Dummytraining und Apportierübungen
  • Nasenarbeit & Zielobjektsuche
  • Tricktraining oder Denkspiele
  • Mantrailing

Geistige Auslastung fordert den Kopf und macht den Hund zufrieden müde – ohne körperliche Überlastung.

Körperliche Auslastung

  • Spazierengehen mit Aufgaben
  • Joggen oder Radfahren (angepasst an Alter & Fitness)
  • Spiele mit Apportiercharakter
  • Schwimmen oder moderates Ballspielen

Hier gilt: Bewegung ja – aber in gesundem Maß.

Soziale Auslastung

  • Gemeinsame Spiele
  • Spaziergänge mit Interaktion
  • Übungen zur Bindung und Kommunikation
  • Ruhige Kuschel- und Entspannungszeiten

Denn: Hunde sind hochsoziale Wesen. Die größte Freude bereitet ihnen oft nicht die Aktivität selbst, sondern das gemeinsame Erleben mit ihrem Menschen.

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Die Dosis macht das Gift

Wie viel Auslastung sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Rasse & genetische Veranlagung
  • Alter (Welpen brauchen fast nur Ruhe, Senioren weniger Bewegung, aber dennoch Denksport)
  • Gesundheitszustand

Zu viel Auslastung führt zu Überdrehtheit, Stress oder sogar gesundheitlichen Schäden.
Zu wenig Auslastung führt zu Frust, destruktivem Verhalten und unerwünschten Eigenlösungen (z. B. Menschen „hüten“, Dinge zerstören).

Das Ziel ist eine gesunde Mitte, in der Hund und Mensch ihre Bedürfnisse erfüllt bekommen.


Bedürfnisse von Hund & Mensch

In unserer Hundeschule Schussenpfoten in Ravensburg achten wir darauf, dass Auslastung immer individuell an Hund und Mensch angepasst wird. Denn nicht jede Rasse braucht das Gleiche, und auch Alter sowie Gesundheitszustand spielen eine entscheidende Rolle.

Hunde brauchen:

  • Sicherheit und Struktur
  • Bewegung in ihrem Maß
  • Mentale Herausforderungen
  • Soziale Bindung und Nähe

Menschen brauchen:

  • Beschäftigungen, die sich in den Alltag integrieren lassen
  • Aktivitäten, die Spaß machen und nicht stressen
  • Gemeinsame Momente, die Bindung und Entspannung fördern

Nur wenn beide Seiten profitieren, entsteht echte Auslastung, die das Zusammenleben harmonisch macht.

Spaß mit Hund

Checkliste: Bin ich auf dem richtigen Weg?

Diese Fragen helfen dir zu prüfen, ob dein Hund gut ausgelastet ist – oder ob du etwas verändern solltest:

Nach dem Training

  • Wirkt mein Hund entspannt und zufrieden oder ist er überdreht und nervös?
  • Kann er sich nach der Aktivität gut hinlegen und schlafen?
  • Habe auch ich Freude an der Beschäftigung gehabt – oder nur „Pflichtprogramm“ abgespult?

Im Alltag

  • Hat mein Hund genug Ruhezeiten (18–22 Stunden, je nach Alter)?
  • Gibt es Ruhetage, an denen wir bewusst weniger machen?
  • Habe ich das Gefühl, dass unsere gemeinsamen Aktivitäten unsere Bindung stärken?

Warnsignale für Überforderung

  • Hund fordert ständig neue Beschäftigung ein, kommt nicht zur Ruhe
  • Dauerhaftes Hecheln, Unruhe oder Stressanzeichen
  • Vermehrtes Zerstören von Gegenständen oder übermäßiges Bellen
  • Ich selbst fühle mich gestresst und unter Druck gesetzt

Wenn mehrere Punkte zutreffen, solltest du das Pensum reduzieren und verstärkt auf Ruhe, Struktur und bewusste Qualitätszeit setzen.

Die richtige Mischung aus Bewegung, Training und Ruhe sorgt für ein entspanntes Miteinander. Wenn du dir unsicher bist, welche Form der Auslastung zu deinem Hund passt, beraten wir dich gerne in unserer Hundeschule Ravensburg – Schussenpfoten.

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